Meine Kindheit und Jugend verlief ohne nennenswerte Ereignisse, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Esoterik standen.
Im Gegensatz zu vielen anderen „Kartenlegern“ hatte ich auch keine übernatürlich veranlagte Großmutter, von der ich die Kartenlegekunst geerbt habe. Unter meinen Vorfahren befinden sich auch keine Zigeuner. Auch hier unterscheide ich mich von vielen anderen „Kolleginnen“ die plötzlich in ihrer Familienchronik derartige Abstammung „entdecken“, um fähiger zu erscheinen.
Diese Frau entsprach so gar nicht, dem typischen Klischee. Weder hatte sie eine Katze auf der Schulter, noch einen Buckel und auch die obligatorische Nase mit der Warze fehlte.
Das Kartenlegen beherrschte sie jedoch sehr eindrucksvoll. Da ich zunächst skeptisch war, verriet ich nicht viel von mir, denn ich wollte wissen, wie es mit ihren Fähigkeiten bestellt war. Nach der Sitzung war ich sehr beeindruckt, denn sie hatte sehr viel gesehen, was sie wirklich nur durch die Karten erfahren haben konnte. In den nächsten Jahren ging ich regelmäßig ca. 2-3/Jahr zu diversen Kartenlegerinnen, bis vor einigen Jahren meine Mutter schwer erkrankte.
Um zu wissen, wie ihr Krankheitsverlauf sein würde, machte ich wieder einen Termin bei meiner „Stammkartenlegerin“ aus, mit der mich durch die Zeit ein freundschaftliches Verhältnis verband. Nach der Legung fragte ich sie, ob ich das Kartenlegen nicht auch lernen könnte, den ich würde ja die nächste Zeit öfter die Karten befragen wollen und das wäre doch recht zeitaufwändig, da sie sehr weit von mir entfernt wohnt. Sie legte die Karten erneut aus und fragte mich, was ich sehe. Durch die vielen Kartenlegtermine die ich bis dahin hatte, kannte ich die grobe Bedeutung einiger Karten und versuchte es. Natürlich war ich recht schnell mit meinem Latein am Ende und dachte, das wird nie was, doch sie bescheinigte mir die nötige Intuition. Ich müsste mir noch die Bedeutungen der Karten aneignen und ein für mich passendes Legesystem suchen und natürlich üben, üben, üben.

So erstand ich ein Deck der Kipper Karten und erwarb nach und nach alle Bücher, die sich mit diesem Deck beschäftigen.
Auch traf ich mich regelmäßig mit „meiner Kartenlegerin“ um auch in der Praxis zu üben.
Das Kartenlegen faszinierte mich so sehr, dass ich im Internet nach weiteren Kartenlegerinnen suchte, die Seminare für das von mir benutzte Kartendeck gaben.
Leider musste ich erfahren, dass es hier sehr viele schwarze Schafe gibt, denen es weniger um die Legungen, sondern viel mehr um einen dicken Geldbeutel geht. So besuchte ich mehrere Seminare in diversen deutschen Städten und hatte Glück, auch Lehrer zu finden, von deren Erfahrungen ich mir einiges aneignen konnte.
Plötzlich, eines Tages, läutete das Telefon. Eine Frau war dran und wollte einen Termin zum Kartenlegen ausmachen.
Ich war irritiert, denn ich hatte bisher nur im Freundes- und Bekanntenkreis Karten gelegt. Es stellte sich heraus, dass „meine“ Kartenlegerin und –Lehrerin diese Frau an mich verwiesen hatte. Ich war total aufgeregt aber als ich diesen Termin hinter mir hatte, war ich fasziniert. Sie war mir doch total fremd gewesen und trotzdem hatte ich so viel über und für sie aus den Karten lesen können.
Da wusste ich, jetzt bin ich bereit, auch fremden Personen die Karten zu legen. Seit diesem Tage, der nun auch schon einige Jahre zurückliegt, versuche ich den Menschen, die zu mir kommen, mit der Hilfe der Karten bei Fragen und Problemen zur Seite zu stehen.